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Aufwertung österr. Rallyesport: Was spricht dagegen?
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Andi Lugauer



Anmeldedatum: 09.09.2010
Beiträge: 1500

BeitragVerfasst am: 27. Oktober 2019, 10:00h    Titel: Antworten mit Zitat

Bevor die Tage von Motorline.cc und damit auch des Meeting Point endgültig gezählt sind, möchte ich noch einmal meinen Unmut über verschiedene Dinge äußern. Jetzt erst recht. Und nach den vielen Jahren des Stillstandes im österreichischen Rallyesport und der ebenso schmerzlichen wie ärgerlichen Substanzverluste werde ich langsam ungeduldig.

Daß wir jetzt endlich wieder eine spannende Meisterschaft haben, die nicht schon im Sommer entschieden ist, ist zu begrüßen. Es war eh schon allerhöchste Zeit. Ungewiß auch, ob wir das im nächsten Jahr auch wieder haben werden. So ist es ja in vielen Bereichen: Immer wieder ein kurzes Strohfeuer, aber für eine dauerhafte, beständige Glut reicht es einfach nicht.

Dafür reicht es mir langsam. Und Euch, den Sportlern, Organisatoren und auch jedem leidenschaftlichen Fan, sollte es auch reichen. Am meisten den Aktiven. Ich will nicht zum tausendsten Mal daran erinnern, wie toll die Meisterschaften in Ländern wie Belgien, Polen, Estland oder anderen Nationen sind und wie ärmlich sich im Vergleich dazu die Verhältnisse bei uns präsentieren. Aber ist es wirklich nötig, daß wir in Österreich weder einen WM-, noch einen EM-, noch einen ERT-Lauf haben, oder sonst Irgendetwas, was bei uns den Rallyesport ein bißchen aus dem lauen Image herausreißt? Ist es wirklich nötig, daß man bei den Verfolgern der Spitze schon nach ein paar wenigen Wagen fast schon keine Stoppuhr mehr, sondern einen Kalender braucht, um die Zeitabstände zu messen, weil die Division I so dünn besetzt ist? Und das, während gleichzeitig weit mehr als ein dutzend potenter Sportler (größtenteils unfreiwillig, wohlgemerkt) abstinent ist? Wir haben wunderbar fähige Sportler, wir haben wunderbare Strecken (von denen maximal ein kleiner Bruchteil genützt wird), wir haben eine überdurchschnittlich innovative und professionell geführte Wirtschaft - woran krankt es also? Da muß es an der Art und Weise liegen, wie bei uns der Rallyesport geführt und gestaltet wird. Am Schlimmsten stellt sich für mich aber der menschliche Bereich dar. Über den kann man auch viel gewinnen - oder verlieren.

Ich verstehe, ehrlich gesagt, auch nicht, daß nicht mehr Menschen ihre Wünsche und Bedenken äußern. Dazu hätte der Meeting Point eine wunderbare Plattform bieten können, aber da herrschte über all die Jahre so gut wie hundertprozentig tote Hose. Es treten jedes Jahr hunderte Fahrer aus Österreich zu irgendwelchen Rallyes an, und holen sich dabei verschiedenste Eindrücke. Und Rallye-Besucher gibt es bei jedem Lauf ein paar Tausend. Das kann ich mir doch nicht vorstellen, daß da keiner etwas dazu zu sagen hat. Oder es ist gelungen, die Menschen schon so weit einzuschüchtern und zur Trägheit zu erziehen, daß freiwillig Alle kuschen. Ist auch nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Wenn aber wirklich unser Rallyesport so weit Akzente setzen soll, daß vor Allem für die aktiv Engagierten etwas Vernünftiges dabei herausschaut, anstatt daß es ein Faß ohne Boden ist, wo nur Geld hineinrinnt und nichts wieder zurückkommt, dann muß jetzt einmal wirklich ernsthaft überlegt werden, welche Maßnahmen jeder Einzelne ergreifen kann, damit Alles möglichst viel Hand und Fuß hat. Wir brauchen keine selbsternannten Elmayer, die von Oben herunter die Amateurfahren und jugendlichen Newcomer denunzieren, die mit geringen Mitteln krampfhaft versuchen, möglichst gut Fuß zu fassen. Und es ihnen damit noch schwerer machen, als es ohnehin schon ist (Ein spezieller Gruß nach Steyrling! Razz ). Was wir brauchen, sind aufrechte Charaktere, unabhängig von ihrer Kapitalgröße, die Andere mit ihrer Begeisterung, Einsatzfreude und mit guten Einfällen mitreißen. Das fängt schon mit sehr vielen kleinen Dingen an. Ein paar Sätze zu schreiben, wie man den Sport findet und was man gerne anders hätte, erfordert keine übernatürliche Anstrengung, und man muß dafür nicht unmäßig viel Zeit opfern. Aber es macht auf der anderen Seite auf jeden Fall viel Sinn. Vor Allem, wenn es entsprechend zahlreiche Menschen tun.

Mag sein, daß meine Denkanstöße wie eh und je verpuffen. Vielleicht aber auch denkt der Eine oder Andere darüber nach, ob man nicht doch ein bißchen mehr Eigeninitiative zeigen könnte - und auch sollte. Und nimmt sich ein Herz, um auf seine Weise aktiv zu werden. Weil viel Wichtiges dranhängt - und das eigentlich auch klar sein sollte.
_________________
"Auf je tausend, die an den Blättern des Bösen zupfen, kommt einer der an der Wurzel hackt."

Henry David Thoreau
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