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Christof geht. Bestürzung bleibt.

 
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Andi Lugauer



Anmeldedatum: 09.09.2010
Beiträge: 1638

BeitragVerfasst am: 23. August 2021, 20:40h    Titel: Christof geht. Bestürzung bleibt. Antworten mit Zitat

Gestern von einem gemütlichen Wiener Beisel heimgekommen, wie es Peter Alexander besungen hat, und routinemäßig die Rallye-Foren betrachtend, entdeckte ich eine Nachricht, die mich schreckensbleich machte: Christof Klausner tödlich verunglückt! Exclamation Crying or Very sad

Ich konnte das überhaupt nicht fassen und war tief getroffen. Wem ist es noch so ergangen wie mir? Wohl sehr Vielen.

Christof Klausner, das brauche ich Euch wohl nicht sagen, war als Fahnenträger schlechthin des spektakulären Fahrstils von der österreichischen Rallyeszene nicht mehr wegzudenken. Seine mega-fulminante Driftshow wird mir ebenso fehlen wie sein herzliches Lachen. Auch wenn seine Unbekümmertheit nicht ganz unumstritten war. Was ich viel zu wenig an Mut habe, hatte er ein bißchen zu viel. Und dieses Zuviel war wohl entscheidend dafür, daß er mit dem Motorrad in der Admonter Region von der Strecke abgekommen ist. Ohne Karosserie und Käfig den zerstörerischen Kräften nunmehr hilflos ausgeliefert, gab es kein Entrinnen mehr. Ein Riesenschock für Viele, die Christof ins Herz geschlossen haben. Seine Beliebtheit vor Allem bei der Rally Legend in San Marino spricht Bände. Am Allermeisten zu leiden hat natürlich seine Familie und engere Verwandtschaft, der ich hiermit mein ehrlich empfundenes Mitgefühl ausspreche.

Meiner einer wird dadurch auch gedanklich ruhelos: Wäre das Unglück zu verhindern gewesen? Ich will nicht gscheit reden. Christof war ein Speed-Junkie, wie er im Buch steht. Ich hätte wohl auch Entzugserscheinungen, wenn ich nicht kommunizieren, meine Gedanken äußern könnte. Christof war kein blutiger Anfänger, und obendrein noch mit viel Talent gesegnet. Aber schon der eine oder andere heftigere "Einschlag" mit dem Audi hatte angedeutet, daß er sich öfter einmal sehr deutlich über der kritischen Grenze bewegt hatte. Und wohl (mangels häufigerer Startmöglichkeiten?) ein wenig das Gespür dafür gefehlt hat, wann es zu viel ist.

Wäre es da nicht vernünftig, darüber nachzudenken, die Möglichkeiten für kostengünstigeren und zugleich auch weniger risikobehafteten (Streckenwahl...) Rallyesport auszubauen? Damit man sich im relativ gesicherten Rahmen dort ausleben und sich gegebenenfalls die Hörner abstoßen kann, ehe man sich an schwierigere Aufgaben heranwagt?

Es ist mir wichtig, diese Frage zu stellen. Denen zuliebe, die unter den Lebenden sind, aber durch sich selber oder andere Speed-Junkies gefährdet sind.

Ich werde mich weiter für eine Aufwertung des Rallyesports in Österreich stark machen. Jetzt mehr denn je.
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"Auf je tausend, die an den Blättern des Bösen zupfen, kommt einer der an der Wurzel hackt."

Henry David Thoreau
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Andi Lugauer



Anmeldedatum: 09.09.2010
Beiträge: 1638

BeitragVerfasst am: 4. September 2021, 19:53h    Titel: Herr der Ringe - Herr der Ringerl: Das Phänomen Klausner Antworten mit Zitat

Tief bedrückt, und doch mit leidenschaftlichem Interesse, habe ich Michael Noir Trawniczeks Lektion über Christof Klausner gelesen. Immerhin ja doch ein Mensch, der mir sehr viel Wertschätzung entgegengebracht hat - und umgekehrt. Und der als lebhaft praktizierendes Rallye-"Tier" bei mir sehr viele bleibende Eindrücke hinterlassen hat. Wie zu diesem Anlaß wohl passend, ist Noir mit sehr viel Feingefühl vorgegangen und hat gerade deswegen die entscheidenden Dinge sehr aussagekräftig zur Sprache gebracht. Einmal mehr mein Kompliment von meiner Seite.

Eigentlich ist es nicht so schwierig, das Phänomen Christof Klausner - und wie es zu einem selten angesehenen Kult-Faktor beim breiten Publikum werden konnte - zu begreifen. Gerade in einer Zeit, wo der Motorsport generell und auch der Rallyesport immer farbloser geworden ist, sehnen sich die Rallye-affinen Menschen stark nach einer schillernden Persönlichkeit, einer Heldenfigur, die es auf der Piste so richtig krachen läßt und auch sonst ein unverwechselbares Original ist. Chrisi hatte all diese Attribute, und er hat sie in Perfektion miteinander vereint. War Sepp Haider wegen seiner Lockerheit im Umgang mit Menschen und wegen seines unbekümmert verwegenen Fahrstils schon allzeit hitverdächtig, solange er den Sport betrieben hat, so hat Chrisi bei all diesen Dingen noch mindestens eine Schaufel draufgelegt. Wobei klarerweise die Chronik der sportlichen Bilanz mehr für den Saalbacher spricht als für den Kremstaler.

Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr täuschen lassen. Christof auf die reine Rolle als Pirouetten-King zu reduzieren, würde bedeuten, sein Format ungerechterweise zu schmälern. In den letzten Jahren war Chrstof hauptsächlich im Dienste der guten Show unterwegs, das mag stimmen. Dadurch übersieht man wahrscheinlich ein wenig, daß er bedeutend mehr konnte. Faktum ist: Jänner-Rallye 2004 - 20. Platz in der Gesamtwertung beim ersten Rallye-Einsatz in seinem Leben. Mag sich vielleicht nicht großartig anhören. ABER: Ein Vierrad-Coupé mit kaum 150 PS, dazu alleine die tschechische Top-Konkurrenz samt und sonders mit WRC's, Mitsubishis und derlei Ähnlichem. Ich denke, das wertet das Ergebnis gewaltig auf.

Letztendlich auch ist von Bedeutung, daß der Rallye-Audi gemeinhin viele Anhänger hat. Alleine schon aufgrund seines auffallenden Motorklanges, sicher auch ein wenig deswegen, weil er einen technologischen Umschwung und auch einen Imagewandel bei Audi herbeigeführt hat. Beherzte Audi-Drifter gab es auch - Weltmeister Stig Blomqvist an erster Stelle genannt.

Überhaupt muß man sagen: Driftkünstler hat es schon vor Christofs Zeit auf der Rallye-Bühne gegeben, und wird es auch in Zukunft geben. Aber den speziellen Spirit of Klausner: Dem macht ihm wohl keiner nach.

Ein Original kann man in diesem Sport schwer kopieren. Aber die entstandene Lücke durch andere Originale auffüllen. Ich sehe, daß es solche Originale nach wie vor gibt. Und daß die darauf warten, daß sie entdeckt werden. Gebt ihnen eine faire Chance, so wie dem Chrisi...

Oder besser: Eine noch fairere. Auch um ein weiteres Unhappy End zu vermeiden.
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Noir Trawniczek



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Beiträge: 60

BeitragVerfasst am: 11. September 2021, 21:55h    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für das Kompliment, Andi

Wie du auch schreibst besteht das Phänomen Christof Klausner aus einer Mischung von verschiedenen Aspekten - wie man bei seinem Begräbnis spüren konnte, lag es sehr viel auch an seinem Umgang mit den Menschen...

Dazu kommen weitere Phänomene wie zb wieder einmal einer randvoll gefüllten interessanten Nennliste bei den Austrian Rallye Legends...

Vielleicht könnt man es so formulieren (?): Es gibt vieles, was man aus der Vergangenheit in die Gegenwart holen könnte, und aber auch einiges, das heute einfach anders ist...

liebe grüße
noir
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Andi Lugauer



Anmeldedatum: 09.09.2010
Beiträge: 1638

BeitragVerfasst am: 14. September 2021, 20:15h    Titel: Spirit of Klausner Antworten mit Zitat

Noir Trawniczek hat Folgendes geschrieben:
Danke für das Kompliment, Andi


Natürlich, klar.

Ich denke, dem Christof hätte es auch gefallen, wenn er gelesen hätte, was Du über ihn geschrieben hast. Vielleicht hat er es ja sogar mitgelesen - von uns unbemerkt...

Noir Trawniczek hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht könnt man es so formulieren (?): Es gibt vieles, was man aus der Vergangenheit in die Gegenwart holen könnte, und aber auch einiges, das heute einfach anders ist...


Ganz gewiß, ja. Und das ist bei einigen Dingen auch ganz gut so. Stellt Euch vor, wir würden noch im neunzehnten Jahrhundert leben. Oder gar im Mittelalter. Schon der Verzicht auf das Internet würde mir schwer fallen. Aber denkt einmal zurück, wie es war, vor nicht einmal 30 Jahren...

Grundsätzlich sehe ich es so, daß all das, was wir täglich erleben, worüber wir uns freuen oder ärgern oder Ähnliches mehr, größtenteils die Summe von all dem ist, was wir Alle tun und was wir aus unserer Zeit und unseren Möglichkeiten machen. Es liegt also an uns Allen, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Und das möglichst nach unseren Wünschen. Ganz geht das natürlich nicht. Wenn irgendwo ein Erdbeben ist oder ein Vulkan ausbricht, und es trifft uns gerade aus nächster Nähe, dann können wir dem relativ wenig vorbeugen oder entgegensetzen.

Ansonsten aber denke ich es schon, daß wir es in der Hand haben, sehr viel von unseren Vorstellungen zu verwirklichen. Man muß halt auch gewillt sein, zusammenzuarbeiten, nicht immer nur an den eigenen unmittelbaren Vorteil zu denken. Und schon gar nicht zu versuchen, den durch Mobbing und derlei Ähnliches zu erzwingen. Teamgeist ist in allen Lebenslagen eine wertvolle Tugend. Und wie wir wissen, ist ganz besonders der Rallyesport eine Teamsportart, wo verschiedene Kräfte effizient zusammenwirken müssen, damit ein Erfolg herausschaut.

Christof Klausner war einer, der diesen Teamgeist sehr konsequent praktiziert hat. Der auch Andere erfolgreich dazu motivieren konnte. Ihm zu Ehren, und weil ich ihn überhaupt sehr mochte und ihn in guter Erinnerung behalten werde, habe ich die folgenden drei Musikwerke ausgesucht, von denen ich denke, daß sie sein Wesen sehr ausdrucksstark charakterisieren: Enya mit "Wild child", Westlife mit "You raise me up" und der Skaters Waltz, komponiert von Emile Waldteufel.

https://www.youtube.com/watch?v=GDBzcgGYcUM

https://www.youtube.com/watch?v=t7tGUNVrqPs

https://www.youtube.com/watch?v=zirn3M3ewQc

Diese musikalischen Klangwerke und die darin enthaltene Grußbotschaft sind auch jenen liebenswerten Mitmenschen gewidmet, die sich nach Leibeskräften um das Leben unseres Christof bemüht haben, aber leider ohne Chance waren, ihn zu retten. Und die auch sehr schwer zu leiden haben unter dem, was geschehen ist. Meine Verehrung - und ein herzliches Dankeschön an Euch.

Es bleibt mir nur noch zu sagen: Carpe diem. Uns Allen zuliebe. Dann lebt auch sehr viel vom Spirit von Christof weiter.
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Henry David Thoreau
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